Herten, 05. Juni 2026
Antrag nach §13 GO zu den Tagesordnungspunkten 5 (Sitzung des ABKS vom 16.06.2026) bzw. 32 (Ratssitzung vom 24.06.2026)
Bibliothek – Glashaus – Lernstudio Drei Orte – Drei Lösungen
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt:
Beschlussvorschlag
Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Weiterentwicklung von Glashaus und Stadtbibliothek zu erarbeiten, das den Erhalt der Bibliothek im Glashaus sowie die Entwicklung des Gebäudes zu einem generationenübergreifenden „Dritten Ort“ zum Ziel hat.
Dabei sollen insbesondere folgende Inhalte berücksichtigt werden:
1. Erhalt der Bibliothek im Glashaus
* Die Stadtbibliothek verbleibt am Standort Glashaus.
* Die Bibliothek wird als zentraler Bildungs-, Kultur- und Begegnungsort in der Hertener Innenstadt erhalten und weiterentwickelt.
* Die Funktion der Bibliothek als wichtiger Frequenzbringer für die Innenstadt ist bei allen weiteren Planungen zu berücksichtigen.
2. Familienfreundliche Bibliothek
* Die räumliche Einheit von Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbibliothek soll grundsätzlich erhalten bleiben.
* Die Verwaltung wird beauftragt, Lösungen zu entwickeln, die eine gemeinsame Nutzung der Bibliothek durch Familien weiterhin ermöglichen.
* Die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Jugendlichen sind bei der zukünftigen Gestaltung besonders zu berücksichtigen.
3. Weiterentwicklung zum Dritten Ort
* Die freiwerdenden Flächen im Glashaus sollen vorrangig für öffentliche Nutzungen, Aufenthaltsbereiche, Bildungs- und Begegnungsangebote verwendet werden.
* Ziel ist die Entwicklung eines generationenübergreifenden Dritten Ortes für alle Hertener Bürger*innen.
* Dabei sollen bestehende Angebote der Stadtbibliothek, der VHS, der kulturellen Bildung, der Jugendarbeit und weiterer Akteur*innen sinnvoll miteinander verknüpft werden.
4. Lern- und Arbeitsangebote
* Die Einrichtung eines Lernstudios oder vergleichbarer Lern- und Arbeitsbereiche wird grundsätzlich unterstützt.
* Die konkrete Ausgestaltung soll gemeinsam mit den zukünftigen Nutzerinnen, insbesondere Schülerinnen, Studierenden und Auszubildenden, entwickelt werden.
* Die Ergebnisse der Bürgerbefragung der Stadtbibliothek sind bei der weiteren Planung angemessen zu berücksichtigen.
5. Unterstützung der Mitarbeitenden und soziale Begleitung
* Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, wie die Mitarbeitenden der Bibliothek bei der Begleitung unterschiedlicher Nutzergruppen besser unterstützt werden können.
* Dabei sind insbesondere Kooperationsmöglichkeiten mit der mobilen Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit sowie weiteren pädagogischen und sozialarbeiterischen Angeboten zu berücksichtigen.
* Ziel ist es, die Bibliothek als offenen Ort für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen zu stärken und bestehende Herausforderungen im Miteinander konstruktiv zu bearbeiten.
* Vorrangig sollen vorhandene personelle und institutionelle Ressourcen stärker miteinander vernetzt werden.
6. Beteiligung
* Vor einer endgültigen Entscheidung ist ein Beteiligungsprozess mit Nutzerinnen der Bibliothek, Jugendlichen, Familien, Schulen, VHS, Vereinen und weiteren relevanten Akteurinnen durchzuführen.
* Die Ergebnisse der Beteiligung sind Politik und Öffentlichkeit transparent vorzustellen.
7. Wirtschaftlichkeit
* Zusätzliche Mietflächen außerhalb des Glashauses sollen nur dann in Betracht gezogen werden, wenn deren Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit nachvollziehbar nachgewiesen werden können.
* Für alle vorgeschlagenen Maßnahmen sind die finanziellen Auswirkungen sowie der Personalbedarf darzustellen.
Begründung
Glashaus und Stadtbibliothek sind für viele Hertenerinnen und Hertener untrennbar miteinander verbunden. Beide Einrichtungen prägen seit Jahrzehnten die Innenstadt und leisten einen wichtigen Beitrag zu Bildung, Kultur, Begegnung und gesellschaftlicher Teilhabe.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN teilt die Einschätzung, dass sich die Anforderungen an moderne Bibliotheken verändern. Bibliotheken sind heute weit mehr als Orte der Medienausleihe. Sie sind Lernorte, Aufenthaltsorte und Treffpunkte für Menschen unterschiedlicher Generationen.
Vor diesem Hintergrund unterstützen wir die Weiterentwicklung des Glashauses zu einem modernen „Dritten Ort“. Gleichzeitig halten wir die Verlagerung der Bibliothek an einen anderen Standort für nicht zielführend.
Insbesondere die vorgesehene Trennung von Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbibliothek erscheint wenig alltagstauglich. Familien nutzen die Bibliothek häufig gemeinsam. Eine räumliche Aufteilung würde diese Nutzung erschweren und bestehende Stärken des Angebots schwächen.
Unterschiedliche Nutzergruppen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Jugendliche suchen Orte der Begegnung und des Austauschs, während andere Besucher*innen die Bibliothek vor allem als Lern-, Arbeits- oder Rückzugsort nutzen. Diese unterschiedlichen Anforderungen lassen sich aus unserer Sicht nicht allein durch räumliche Trennung lösen. Vielmehr braucht es Konzepte, die Begegnung ermöglichen und gleichzeitig die Mitarbeitenden der Bibliothek unterstützen. Die stärkere Einbindung pädagogischer und sozialarbeiterischer Angebote kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.
Darüber hinaus erfüllt die Bibliothek eine wichtige Funktion für die Belebung der Innenstadt. Viele Besucher*innen verbinden ihren Bibliotheksbesuch mit Einkäufen oder weiteren Erledigungen im Stadtzentrum. Eine Verlagerung der Bibliothek könnte daher negative Auswirkungen auf die Besucherfrequenz der Innenstadt haben.
Aus Sicht der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bietet das Glashaus das Potenzial, sich zu einem offenen, generationenübergreifenden Begegnungsort für alle Hertenerinnen weiterzuentwickeln. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine Planung, die die Bedürfnisse der Nutzerinnen in den Mittelpunkt stellt und gemeinsam mit ihnen entwickelt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Martina Herrmann Rebacca Kubiak