Die Diskussion um die Zukunft des Glashauses und der Stadtbibliothek bewegt derzeit viele Menschen in Herten. Das überrascht uns nicht: Für viele Hertener*innen sind Glashaus und Bibliothek seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden und ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen Innenstadt.
Die von der Stadtverwaltung vorgestellten Pläne überzeugen uns nicht. Aus unserer Sicht gehen sie an den Bedürfnissen vieler Bürger*innen vorbei und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten.
Besonders kritisch sehen wir die geplante räumliche Trennung von Kinder- und Erwachsenenbibliothek. Familien nutzen die Bibliothek heute oft gemeinsam: Während Kinder nach Büchern stöbern oder Veranstaltungen besuchen, können Eltern gleichzeitig eigene Medien ausleihen. Diese Wege sollen künftig getrennt werden. Wir halten das nicht für nutzerfreundlich und befürchten, dass die Bibliothek dadurch für Familien an Attraktivität verliert.
Auch die Diskussion über unterschiedliche Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen wird aus unserer Sicht zu einfach geführt. Jugendliche brauchen Räume für Begegnung und Austausch. Erwachsene suchen häufig Ruhe zum Lesen oder Lernen. Solche unterschiedlichen Anforderungen lassen sich jedoch nicht dadurch lösen, dass man Begegnungsorte aufteilt oder voneinander trennt. Vielmehr sollten bestehende Konflikte mit den bereits vorhandenen Ressourcen gelöst werden. Denkbar wäre beispielsweise eine stärkere Einbindung der mobilen Jugendarbeit im Glashaus.
Gleichzeitig erkennen wir an, dass sich das Nutzungsverhalten verändert hat. Eine Weiterentwicklung der Bibliothek innerhalb des Glashauses halten wir ausdrücklich für sinnvoll. Die Ergebnisse der umfangreichen Bürgerbefragung der Stadtbibliothek aus dem vergangenen Jahr sollten dabei konsequent in die weiteren Planungen einfließen.
Für uns hat das Glashaus das Potenzial, ein echter „Dritter Ort“ für Hertener Bürger*innen aller Generationen zu sein – ein Ort für Bildung, Kultur, Begegnung und Aufenthalt. Auch Ideen wie ein Lernstudio können sinnvoll sein. Voraussetzung ist jedoch, dass solche Angebote gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden, die sie später nutzen sollen.
Kritisch sehen wir zudem die Anmietung zusätzlicher Flächen in den Hertener Höfen. Angesichts der angespannten Haushaltslage erscheint uns dieser Schritt derzeit nicht sinnvoll.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Bibliothek bringt täglich Besucherinnen in die Innenstadt. Viele Menschen verbinden ihren Bibliotheksbesuch mit Einkäufen oder weiteren Erledigungen. Wird die Bibliothek verlagert, besteht die Gefahr, dass auch die umliegenden Geschäfte Besucherinnen verlieren. Für die Entwicklung der Innenstadt sollte dieser Zusammenhang nicht unterschätzt werden.
Aus diesen Gründen lehnen wir das vorgelegte Konzept in seiner jetzigen Form ab. Die vorgeschlagenen Maßnahmen überzeugen uns nicht. Zudem ist auch die weitere Ausarbeitung des Konzepts keineswegs kostenneutral, da personelle Ressourcen gebunden werden, die an anderer Stelle fehlen könnten.
Wir setzen uns dafür ein, das Glashaus gemeinsam mit den Bürger*innen weiterzuentwickeln – als offenen Ort für alle Generationen und als starken Anker für die Hertener Innenstadt.