Seit fünf Jahren hat Herten ein Klimaanpassungskonzept. Der Rat hat dessen Umsetzung im Juni 2021 beschlossen. Darin werden zahlreiche Maßnahmen beschrieben, mit denen Herten besser auf Hitze, Starkregen, Trockenheit und andere Folgen des Klimawandels vorbereitet werden soll.
Vieles davon ist sinnvoll und einiges wird auch umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen nach dem Prinzip der Schwammstadt, ein stärker wassersensibler Umgang mit Regenwasser und weitere Projekte zur Klimaanpassung. Die Stadt selbst verweist inzwischen auf verschiedene konkrete Maßnahmen und Projekte.
Das ist gut – und trotzdem reicht es nicht.
Denn Klimaanpassung funktioniert nicht als Sammlung einzelner Projekte. Sie muss sich auch in politischen Entscheidungen widerspiegeln. Genau hier sehen wir in Herten ein Problem.
Wenn Klimaschutz auf dem Papier wichtig ist
2021 wurde eine Baumschutzsatzung im Rat mehrheitlich abgelehnt. 2023 scheiterte zudem das Mobilitätskonzept, obwohl für dessen Erarbeitung zuvor rund 84.000 Euro investiert worden waren.
Aus unserer Sicht zeigt sich daran ein Muster: Es gibt Konzepte, Empfehlungen und einzelne Projekte – aber wenn konkrete politische Entscheidungen getroffen werden müssen, fehlt es immer wieder an Konsequenz.
Klimaschutz und Klimaanpassung dürfen jedoch nicht nur dann unterstützt werden, wenn sie wenig Konflikte verursachen. Sie müssen gerade dann gelten, wenn Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen.
Eine Stadt wird nicht klimaresilient, wenn wir einerseits über Schwammstadt, Begrünung und Wassermanagement sprechen, andererseits aber den Schutz von Bäumen, eine nachhaltige Mobilitätsentwicklung oder den Erhalt klimarelevanter Freiflächen nicht konsequent mitdenken.
Klimaanpassung braucht Konsequenz
Das Klimaanpassungskonzept selbst benennt die notwendigen Handlungsfelder sehr deutlich: Entsiegelung, Versickerung und Speicherung von Regenwasser, Begrünung, schattenspendende Bäume sowie der Schutz klimarelevanter Grün- und Wasserflächen gehören zu den zentralen Maßnahmen.
Für uns bedeutet das: Diese Ziele müssen auch bei Bauleitplanung, Verkehr, Innenstadtentwicklung und der Gestaltung öffentlicher Räume eine Rolle spielen.
Wir wollen deshalb nicht nur darüber sprechen, dass Herten sich an den Klimawandel anpassen muss. Wir wollen darüber sprechen, wie konsequent die politischen Entscheidungen tatsächlich dazu beitragen.
Und vielleicht lohnt sich dabei auch ein Blick auf die politische Debatte insgesamt: Warum ist Klimaschutz in vielen Kommunen inzwischen selbstverständlich Teil der politischen Kommunikation – während konkrete Maßnahmen immer wieder auf Widerstand stoßen?
Wir als Grüne werden jedenfalls weiterhin darauf achten, dass Klimaanpassung nicht zum Etikett wird, das man sich gerne ans Revers heftet, sondern zu einem verbindlichen Maßstab für politische Entscheidungen.
Denn fünf Jahre nach dem Beschluss des Klimaanpassungskonzepts ist die entscheidende Frage nicht mehr, ob Herten ein Konzept hat.
Die Frage ist, wie konsequent wir danach handeln.